Artikel-Schlagworte: „Beweiswürdigung“

DNA – Doch Nicht Aussagekräftig

Donnerstag, 26. März 2009

Die Frau, die auch schon bei “Aktenzeichen XY ungelöst” gesucht wurde, weil Sie an mehreren Tatorten im süddeutschen Raum ihre gentischen Spuren hinterließ, hat wohl mit den Taten nichts zu tun. Vermutlich ist sie eine Mitarbeiterin der Herstellerfirma der Wattestäbchen, mit denen die Spuren üblicherweise gesichert werden. Auch, wenn das auf den ersten Blick nur peinlich ist. Zusammen mit dem KaDeWe-Coup, zeigt sich, dass die DNA alleine eben nicht genügt, einen Täter zu überführen. Sicherlich war die “Entdeckung” der DNA für die Kriminaltechnik ein ebenso großer Durchbruch, wie die des Fingerabdrucks. Aber die oben genannten Fälle führen einem vor Augen, dass die Ergebnisse der Kriminaltechnik immer im Großen Ganzen betrachtet werden und stets hinterfragt sollten.

Zeugenaussagen

Sonntag, 13. Januar 2008

Aus der Strafstation bin ich zwar schon raus. Interessant ist dieser Artikel auf Spiegel Online aber allemal.

Da geht es darum, dass eine Frau beobachtet haben will, wie ihre Tante den kleinen Sohn erdrosselt haben will. Während Details zur Tat eher Mangelware in der Aussage sind, kann sie sich aber genau an die “Verfolgung” der Tante zum Tatort und die anschließende Flucht vor der Tante erinnern. Diese führte zu einem Einkaufszentrum bzw. der davor gelegenen Bushaltestelle. Eben jenes Einkaufszentrum und jene Bushaltestelle wurden jedoch erst zwei Jahre nach der vermeintlichen Tat eröffnet…

Bezeichnend ist nicht, dass dies nicht die vorhergehenden Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft, sondern eigene Anstrengungen des Richters dies ergeben haben. Bezeichnend ist dies vielmehr für des Strafprozesses wichtigstes Beweismittel – den Zeugen. Auch wenn der Zeuge oftmals das einzige Beweismittel ist, so muss man immer im Blick haben, wie dünn dessen Aussagen oftmals sind. So ist die Beweiswürdigung häufig das schwierigste.

Da gibt es den “Knallzeugen”, der zwar gehört hat, dass ein Unfall stattgefunden hat, aber erst später hingeschaut hat. Dennoch kann er sich genau erinnern, von wo die Fahrzeuge kamen usw. Auf der anderen Seite (so in einer Gerichtsverhandlung passiert, bei der ich zugegen war) gibt es Zeugen, die sich sogar das Autokennzeichen eines Unfallflüchtigen notieren, später aber bei der Aussage gegenüber der Polizei und vor Gericht fest davon überzeugt sind, dass das Auto rot war, obwohl die Fotos der Polizei eindeutig zeigen, dass das Auto blau war.

Es muss also nicht immer böse Absicht hinter einer “falschen” Zeugenaussage stecken. Sehr oft spielt das Gehirn dem Menschen einen Streich. Er meint etwas genau zu wissen, was so aber nicht der Wirklichkeit entsprach. Die Aufgabe des Richters/Referendars ist es nun, dies entsprechend zu erkennen und zu würdigen.

Mach doch einfach mal selbst den Test: Stell Dir die Person vor, mit der Du gestern einen Großteil des Tages verbracht habt – z.B. Partner/-in, Arbeitskollege etc. Nun überlege einfach welche Hose und welches Oberteil derjenige angehabt hat. Wie? Du bist einen Großteil des Tages mit demjenigen zusammengewesen und weißt es nicht mehr genau? Das war eben Deinem Gehirn gerade nicht wichtig, weshalb es das einfach unter den Tisch hat fallen lassen. Und wenn Du meinst es zu wissen, dann frage doch mal nach, ob es wirklich so war…