Archiv für Juni 2008

Deutsche juristische Netztagebücher

Sonntag, 29. Juni 2008

Mir ist jetzt erst aufgefallen, dass ich bei den “GermanBlawgs” aufgenommen wurde. Vielen Dank dafür.

Die “GermanBlawgs” sind mittlerweile über 200 Netztagebücher über juristische Themen. Um die Sache einfacher zu gestalten, gibt es hier eine OPML-Datei abzurufen. Was wiederum eine OPML-Datei ist, wird für diejenigen, die es noch nicht wissen, hier beschrieben.

Klausurenergebnis

Freitag, 27. Juni 2008

So. Nun haben wir alle Klausuren der ersten Klausurenwoche wieder. Und es sind nur noch zweieinhalb Wochen bis zur nächsten.

Die Noten sind “juratypisch” ausgefallen. Eher noch etwas besser als gewöhnlich. Interessant finde ich, dass der Notenspiegel mit steter Regelmäßigkeit bei Juristen keiner Gauß’schen Glockenkurve entspricht. Noch nicht einmal verschoben. Aber iudex non calculat und so enthalte ich mich eines Kommentars, in wie weit das Rückschlüsse auf eine zufällige Verteilung der Noten zulässt oder nicht.

Aber im Großen und Ganzen kann man mal wieder auch aus diesen Klausuren etwas für das Examen lernen: es entscheidet zu einem großen Teil das Glück.

So wird es wohl sehr auf die jeweiligen Prüfer und deren Vorstellungen ankommen. Auch dieses Mal hat sich wieder gezeigt, dass die Vorlieben der Korrektoren sehr divergieren. Der eine möchte einen knappen Tatbestand, den anderen stören auch weitere Ausführungen nicht usw. Schade, dass sich der Eindruck aufdrängt, dass auch solche Formalia, obwohl oft subjektiv, ebenfalls in die Note einfließen.

Aber es gibt schließlich in zweieinhalb Wochen eine neue Runde. Und die Gans wird am Ende fett.

Langeweile

Mittwoch, 18. Juni 2008

Man merkt, dass Fussball-EM ist und die Leute Langeweile haben, wenn die Spiele erst um 20:45 Uhr anfangen.

Die liegen dann wohl nachmittags da herum und denken sich: “Was mach’ ich nun?… Och, ärgere ich doch einfach mal den Nachbarn…”

Zumindest bin ich heute von der Arbeitsgemeinschaft nach Hause gekommen und habe direkt vor dem Haus mal wieder keinen Parkplatz bekommen. Zumindest keinen, der nicht unter einem Baum sein würde, so dass ich nach fünf Minuten eine meterdicke Schicht an Vogelkot vom Auto kratzen könnte. Drum habe ich schräg gegenüber geparkt. Da parkt sonst nie einer. Nun weiß ich warum…

So saß ich dann nichtsahnend am Schreibtisch als es an der Tür klingelte. Ich öffnete die Tür und im Flur kam mir ein Polizist entgegen. Ups. Mein erster Gedanke war, er sagt gleich: “Ihnen ist dort einer ins Auto gefahren…”

Aber es kam anders. “Gehört Ihnen der Fiat dort draußen?” – “Ja?!?” – “Ich weiß, dass dort kein Halteverbot ist, aber wir wurden angerufen…”

Stimmt. Anders als auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo die Leute dann auch pflichtschuldigst auf dem Bürgersteig parken… Oder zuvor bis zur Einmündung. Dort, wo mein Wagen stand, ist kein Park-, noch nicht einmal Halteverbot. Ich habe mehr als fünf Meter bis zu dem Schnittpunkt mit der nächsten Einmündung eingehalten, bis zum Bürgersteig gegenüber waren es mehr als drei Meter und dort durfte ja auch (zumindest ordnungsgemäß) niemand parken, so dass die Fahrbahn weiter verengt worden wäre. Und auch sonst war nichts nach § 12 StVO einschlägig.

Aber der Mann macht ja auch nur seine Arbeit und eine längere Diskussion über Zuständigkeiten und so weiter hätte uns beiden nur den Abend versaut. So habe ich den Wagen dann auch umgeparkt. Obwohl mich schon interessiert hätte, was sie hätten machen können, wenn jemand ordnungsgemäß parkt und nur deshalb aneckt, weil die Nachbarn Langeweile haben.

Aber das werde ich beim nächsten Mal herausfinden, wenn mal wieder direkt vor der Tür kein Platz ist. ;-)

Ich fand es auch sehr zuvorkommend, dass sie erstmal bei mir geklingelt haben. Hätten ja auch gleich abschleppen lassen können und dem Bürger und denen in der Verwaltung hinterher die Querelen überlassen können, wenn es um die Kosten gegangen wäre.

Ach so: Viele Grüße an meine Nachbarn! Besorgt Euch doch endlich mal eine Arbeit… oder zumindest eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.

“Denglisch”

Samstag, 7. Juni 2008

Der Deutsche an sich hat eine Affinität, Wörter aus dem Englischen zu entnehmen und für seine Zwecke zu missbrauchen gebrauchen. Die meisten wissen mittlerweile, dass das “Handy”, also das englischklingende Wort für Mobiltelefon, gar nicht aus dem Englischen stammt.

Viele kennen auch die “Body Bags”.

Taschendirekt.de, http://www.taschendirekt.de/product_info.php/info/p612-Body-Bag.html, 7.6.2008Gary Manufacturing, http://www.garymanufacturing.com/products/Body_Bags.html, 7.6.2008

Dieses Wort wird mittlerweile im Deutschen gelegentlich für Umhängetaschen bzw -beutel verwendet. Gut. Nur im Amerikanischen verbirgt sich hinter diesem Begriff der Leichensack. Den würde ich mir nicht so gerne umhängen wollen. ;-)

Zum Start der Europameisterschaft ist auch das “Public Viewing” wieder angesagt,

Westfälische Nachrichten, http://www.westfaelische-nachrichten.de/sport/euro_2008/em_splitter/Gemeinsame_Sache_Public_Viewing_im_Muensterland.html, 7.6.2008

also das gemeinsame Fußballgucken meist unter freiem Himmel auf Großleinwänden. Aber warum sagt man es dann nicht auch so. Der Radiosender 1LIVE hat auf eine besondere Problematik aufmerksam gemacht und dazu aufgerufen ein neues deutsches Wort dafür zu finden. Dabei wurde dafür das Wort “Rudelgucken” gefunden. Das erfüllt doch ganz und gar seinen Zweck. Wenn nun einer vom “Rudelgucken” spricht, weiß jeder Bescheid. “Public viewing” steht nämlich im Englischen allgemein für das öffentliche Anschauen und wird gerne im Zusammenhang mit einer öffentlichen Aufbahrung verwendet.

Newsday.com, http://www.newsday.com/news/specials/pope/ny-publicviewingpg,0,7174955.photogallery?index=70, 7.6.2008

Das wäre für den deutschen Fußball doch ein schlechtes Omen. Man sollte viel häufiger den Mut haben, englische Wörter durch deutsche zu ersetzen. Sicherlich gibt es Fachbegriffe, mit denen das nicht so einfach funktioniert und auch der sinnvolle Gebrauch fremdsprachiger Wörter belebt die Sprache und hat auch schon immer stattgefunden. Nur sollte dies nicht Überhand nehmen, denn viele fremdsprachige Wörter sind durch deutsche ersetzbar und man weiß eher, wovon das Gegenüber spricht. Darum:

Fröhliches Rudelgucken!

Vorratsdatenspeicherung

Mittwoch, 4. Juni 2008

Es gibt eine forsa-Umfrage, bei der Bundesbürger zu dem Thema Vorratsdatenspeicherung und ihrem Verhalten daraufhin befragt wurden. Interessant finde ich, dass 52 % wegen der Vorratsdatenspeicherung über Telefon, Mobiltelefon oder elektronischem Brief den Rat einer Eheberatungsstelle, einem Psychotherapeuten oder einer Drogenberatungsstelle nicht suchen würden.

In diese sensiblen Bereiche reiht sich meines Erachtens auch der Rechtsanwalt und im Speziellen der Strafverteidiger ein. Hier wird quasi eine Hemmschwelle erzeugt, von seinen Grundrechten Gebrauch zu machen. Mir war das nicht so bewusst, dass die Bevölkerung sich wirklich davon beeinflussen lässt.

Aber es zeigt doch, dass der Stammtischspruch “Wenn man nichts Illegales gemacht hat, hat man doch auch nichts zu befürchten.” so wohl von der großen Mehrheit nicht geglaubt wird. Bei einer Eheberatungsstelle oder einem Psychotherapeuten ruft man auch nicht unbedingt an, wenn man etwas Illegales getan hat.

Natürlich merkt man jedes Mal an Wahltagen, wie zuverlässig Umfragen sind, aber eine Tendenz lässt sich doch erkennen.